Die Reform 2027

Die Reform komm, soviel ist klar.

Bisher ist allerdings noch nicht ganz klar, was genau und in welcher Form es umgesetzt wird. Im weiteren Verlauf habe ich den Referentenentwurf und den Gesetzesentwurf als Download eingepflegt.

Die Reform wird voraussichtlich NICHT ab 01/2027 umgesetzt, sondern erst 07/2027
Wir haben uns einfach mal die Mühe gemacht, ein paar Dinge etwas näher zu beleuchten. Da immer wieder ein paar News dazu kommen und das alles noch lange nicht fertig ist, werde ich den Sachstand mit Datum dokumentieren. Und jetzt viel Spaß bei unserer "Rocky Horror Text Show".
Erstellt: 08.06.2026

Kabinett startet Reform der Fahrschulausbildung | Bundesregierung

Gesetzentwurf als download

Update:

Der Führerschein muss billiger werden

Der Führerschein ist teuer. Ja, das stimmt. Was genau die Gründe dafür sind, ist sehr sehr vielschichtig und gar nicht so einfach zu benennen.
Dass nun an irgendwelchen Schrauben gedreht wird um das Ganze erschwinglicher zu machen, kann man nachvollziehen. 

Die Ankündigung von Oktober 2025 hat uns Fahrschulen allerdings eine Ohrfeige verpasst. Ja, es gibt Leute, die sagen, wir hätten es verdient, da wir uns ja ordentlich bedient haben. Hierzu wurde schon genug erklärt, da halte ich mich zurück.

Problematisch sehe ich, genauso wie viele andere Fahrschulen auch, dass die Ausbildung weniger wird, aber die Verkehrssicherheit NICHT weniger werden soll. DAS könnte etwas schwierig werden.

Unterricht wird wegfallen

Der Unterricht soll digitaler werden, die Fahrschüler sollen per App oder online lernen. Das WISSEN an Sich muss weiterhin gelernt werden, wie auch immer das geschieht. Einen Pflichtunterricht wird es nicht mehr geben. All dies wird erst einmal für die Klasse B beschlossen.

Simulatoren: Das Allheilmittel

Die Ausbildung kann dann durch den Einsatz von Simulatoren "unterstützt" werden. Die Schaltkompetenz in der Klasse B197 umfasst dann mindestenst 7 Stunden (ob 60 Min oder die üblichen 45 Min ist noch nicht entschieden). Lediglich EINE Fahrt muss auf der öffentlichen Straße gefahren werden.


Die Sonderfahrten werden gekürzt

Die aktuellen 12 Sonderfahrten, ( 5x Landstraße, 4x Autobahn, 3x Nachtfahrt) werden auf insgesamt 3 Fahrten gekürzt. Von jeder Kategorie nur noch EINE.

Prüfung wird kürzer

Die Prüfungsfahrten werden angepasst. Und zwar die FAHRZEIT. Diese wird von aktuell 30 Minuten auf 25 Minuten gekürzt.
Momentan sieht es folgendermaßen aus:

  • 02 Min Feststellen der Personalien
  • 03 Min Eingangsgespräch
  • 05 Min Technische Abfahrtskontrolle
  • 30 Min reine Fahrzeit
  • 10 Min Grundfahraufgaben
  • 05  Min Feedback Gespräch
  • 55 Minuten

Nach der neuen Berechnung wird es in Etwa:

  • 02 Min Feststellen der Personalien
  • 02 Min Eingangsgespräch
  • 03 Min Technische Abfahrtskontrolle
  • 25 Min reine Fahrzeit
  • 08 Min Grundfahraufgaben
  • 05 Min Feedback Gespräch
  • 45 Minuten

Das ist noch nicht ganz entschieden, da abgesehen von der FAHRZEIT, die Prüforganisation die Hand drüber hat. Da ist also noch Luft nach oben.

Die Laien-Ausbildung (Vorbild Österreich)

Wer es noch nicht weiß... in Österreich fährt man mit den Eltern Fahrstunden. Naja, es ist etwas komplizierter als hier geschrieben, aber so ähnlich läuft es. 

In Österreich kann man mit 16 Jahren mit der Ausbildung beginnen. Man muss dabei eine theoretische und praktische Grundausbildung in einer Fahrschule absolvieren, bestehen aus 32 Theorie Einheiten und 12 Praxis Einheiten. Danach folgt die theoretische Prüfung und die Ausbildung mit einer Begleitperson, mit der dann mindestens 3000 km Fahrpraxis mit Fahrtenbuch nachgewiesen werden müssen. Alle 1000km muss eine Schulung in der Fahrschule stattfinden. Nach 3000km folgt in der Fahrschule das Perfektionstraining, bestehend aus mindestens 6 Stunden Theorie und 3 Stunden Praxis. Ab dem 17. Geburtstag kann man dann die Prüfung machen. Nachdem man den Führerschein erhalten hat, startet die 2. Ausbildungsphase: Diese besteht aus einem Fahrsicherheitstraining mit einem verkehrspsychologischen Gruppengespräch (3-9 Monate nach Erhalt des Führerscheins). Außerdem ist eine Perfektionsfahrt in einer Fahrschule (6-12 Monate nach Erhalt) vorgesehen.

SO IST DAS IN ÖSTERREICH. Die Planung bei uns in Deutschland wird anders aussehen.


Bei uns wird die Planung sehr viel einfacher aber auch GEFÄHRLICHER aussehen:
Geplant ist, Abschluss der Theorie Prüfung, dann mindestens 6 Übungsstunden (viel zu wenig) mit dem Fahrlehrer. Danach ein Einweisungsgespräch mit dem Fahrschüler und den Begleitern als Vorbereitung auf die eigene Ausbildung. Nach mindestens 1000km geht es in der Fahrschule weiter. Was dazwischen kommt, ist noch nicht abschließend geklärt. In der Fahrschule gibt es dann die Prüfungsvorbereitung und die Prüfung.

Preis- und Prüfungstransprarenz

Es soll künftig möglich sein, online die Kosten und Durchfallquoten der Praxis Prüfungen aller Fahrschulen einzusehen und damit einen realistischen Kosten- und Qualitätsvergleich durchzuführen.

Die Fahrschulkosten offenlegen müssen wir seit vielen Jahren schon, das machen nur nicht alle Fahrschulen. Ein Portal hierfür finde ich nicht schlecht. Dieses muss natürlich entsprechend gepflegt werden, in welchem Zeitraum dies geschieht, ist noch nicht ganz durch.

Die Durchfallquoten... DAS ist absolut schwierig!!! Und dabei schreibe ich im Namen aller Fahrschulen in Deutschland. Ich fange gleich mal "Hardcore" an:
Es gibt sogenannte Ballungsgebiete, in denen es ein sprachliches Problem gibt. Man kann zwar die theoretische Prüfung in 12 Sprachen machen, allerdings ist die praktische Prüfung in der Regel auf deutsch. Und da haben wir leider das Problem.
Natürlich gibt es einige Fahrlehrer, die mehrsprachig sind, aber das sind vergleichsweise wenige. Wenn nun ein Fahrschüler, der nicht deutsch spricht, sich eine Fahrschule aussucht, die eben NICHT seine Sprache spricht, dann wird es für ihn und für den Fahrlehrer sehr schwierig. Wenn es dann doch nach sehr vielen Fahrstunden endlich zur Prüfung geht, dann ist ein Durchfallen eher öfter die Realität. Die vielen Fahrstunden liegen dann übrigens in der Regel an Verständigungsproblemen, da der Fahrlehrer dem Schüler ja auch noch die Sprache beibringen muss.
Die Durchfallquote in Ballungsgebieten ins um ein vielfaches höher als in ländlichen Gebieten. Das ist Fakt. 

Es wird also darauf hinauslaufen, dass sich die Fahrschulen die Fahrschüler aussuchen werden und "schwierigere" Fahrschüler abgewiesen werden, damit die Quote nicht leiden muss. 


Allerdings muss man dazu sagen, dass diese Thematik der Transparenz auch einen positiven Effekt haben könnte, wenn "eher schlecht ausbildenden Fahrschulen", die Fahrschüler zu früh zur Prüfung vorstellen um das doppelte Prüfgeld zu kassieren, ein Riegel vorgeschoben wird.

Alles in Allem sollen die angekündigten Änderungen eine spürbare finanzielle Entlastung der Fahrschüler bringen.
Joa... vielleicht.  Vielleicht auch nicht. 
Ich bin bei dem Ganzen ein Bisschen zwiegespalten. Alle Maßnahmen in Ehren, aber das ist nicht immer der richtige Ansatz. 

Als ich meinen Führerschein 1989 gemacht habe, habe ich meinen Vater, der auch mein Fahrlehrer war, gefragt, wie viele Fahrstunden man denn so braucht. Seine Antwort war: So alt wie man ist, so viele Fahrstunden werden benötigt. Also in etwa 18 - 25 Fahrstunden. Aktuell liegt der Schnitt inklusive der Sonderfahrten bei ca 40 Fahrstunden. 
Und jetzt fragen Sie doch bitte noch einmal, warum der Führerschein so teuer ist? Wenn man 15 Fahrstunden abzieht, dann ist das genau die Verteuerung zu damals. Das, was fehlt, ist das technische Verständnis, die Aufmerksamkeitsspanne, das Interesse am Verkehr. Viel wichtiger sind für die Jugend mittlerweile Dinge, wie: Smartphone, digitale Welt, Social Media, Stöpsel im Ohr, um sich der Welt zu verschließen.
Und ich möchte dabei deutlich betonen, dass es nicht grundsätzlich an den Fahrschulen liegt, dass es so teuer ist. Es liegt auch zu einem großen Teil an den immer strenger werdenden Richtlinien, denen wir Fahrschulen uns fügen müssen. Einerseits vom Staat, andererseits von den Prüforganisationen. Es kommen immer neue Regeln raus, wie zum Beispiel, die Sache mit dem B197 Führerschein. Wir Fahrschulen müssen nun für 2 Fahrlehrer mindestens 3 Fahrzeuge bereitstellen. Oder die Sache mit den von der EU beschlossenen "Fahrhilfen", die auch mittlerweile in der Prüfung verlangt werden. Wir Fahrschulen müssen dem Prüfer für JEDES AUTO, eine Liste mit den verbauten Fahrhilfen bereitlegen,  der Prüfer sucht sich dann etwas aus und das wird geprüft. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich mir ein altes Auto aus den 90er Jahren hole würde. Das hat keine Fahrhilfen!!! Nix verbaut, nix geprüft. Punkt.

Aber zurück zum Thema. Mein Wunsch wäre, bei den "Kindern selbst" anzusetzen. Und da kommen Sie als Eltern ins Spielt. Ja, es wäre wirklich verdammt wichtig, den Kindern ordentlich Anstand, Respekt und Toleranz und DIE RICHTIGEN REGELN im Straßenverkehr VORZULEBEN. Dann wird es billiger.

Von der technischen Komponente her, können wir Fahrschulen es definitiv NICHT billiger machen. Das ist nun mal so, das kann man drehen und wenden wie man will, da ändert sich nichts. Die Autos werden teurer, der Kraftstoff wird teurer, die Versicherungen steigen jährlich, die Wartungskosten der Autos sind immens, die Fahrlehrer würden auch gerne ein Wenig Geld verdienen. Deren Ausbildung ist übrigens auch kein Späßchen, der Fahrlehrerschein Klasse B kostet aktuell, 2025, etwa 17.000,- bis 20.000,- Euro, die Ausbildung dauert in der Regel mindestens 1 Jahr und umfasst umfangreiches Wissen in den Bereichen StVO, Verkehrsrecht, Verkehrspädagogik, KFZ-Technik und Psychologie. Die Zeiten, als ein rauchender, ständig meckernder Macho mit aufgeknöpftem Hemd und Goldkettchen neben dem Fahrschüler saß, sind vorbei.